T_Raumdeuter*innen im Ausland

 Jasper in Loppiano - Italien

 Meine Reise begann am 9.2. in Berlin. Morgens habe ich mich mit dem Zug erstmal auf den Weg nach München gemacht, wo ich die Stadt für ein paar Stunden erkunden konnte bevor es abends mit dem Nachtzug weiter ging. Hier wartete eine neue Erfahrung auf mich: ein Schlafwagenabteil mit fremden Personen zu teilen! Am nächsten Tag bin ich morgens in Florenz angekommen und von da aus ging es mit dem Regionalzug ein Stück weiter ins Landesinnere.

Einer der anderen, deutschen Freiwilligen hat mich vom Bahnhof Incisa abgeholt und ist mit mir nach Loppiano, meinem Zielort, gefahren. Das Gefühl an einen Ort zu kommen und niemanden zu kennen ist eine sehr neue Erfahrung. In den ersten zwei Tagen hat es mich ein bisschen Überwindung gekostet mich den anderen zu öffnen und in Gespräche zu kommen. Jetzt sind die ersten Tage vorüber und langsam lebe ich mich ein. Was von Anfang an etwas Besonderes hier war, ist die Vielfalt von Nationalitäten die vertreten sind: von Südamerik über Afrika oder Europa - hier treffen viele Kulturen aufeinander. Trotzdem gibt es das ein oder andere was "echt Gewöhnung" braucht. Ich schlafe in einem Zimmer mit vier weiteren Jungs: das heißt Privatsphäre gibt es nicht wirklich. Aber das rückt auch schnell wieder in den Hintergrund. Mein Tagesablauf ist bestimmt von einem Vor- und Nachmittagsblock. Vormittags starten wir gegen 10 Uhr meist mit einen inhaltlichen Block, in welchem wir uns mit dem Glauben beschäftigen oder ich habe Italienisch Unterricht. Auch etwas lustiges zum Italienisch Unterricht gibt es zu berichten: unsere Lehrerin spricht zwar Englisch, weigert sich aber Fragen auf Englisch zu beantworten. Das hilft einem glücklicherweise aber beim schnelleren lernen von neuen Wörtern. Im Nachmittagsblock arbeiten wir dann in den Fabriken mit, wo u.a Kisten für Schmuck und Porzellan produziert werden.

Der Alltag ist aber eher geprägt vom gemeinsamen Aktivitäten: sei es Volleyball spielen, das gemeinsame kochen und essen oder abends mal ein Fußballspiel zusammen schauen.

 

Liebe Grüße aus Loppiano

Euer Jasper

 


Magdalena in Grandchamp - Schweiz

 

Grandchamp

Mein Auslandsaufenthalt führte mich für drei Wochen nach Grandchamp in der Schweiz in die Communité de Grandchamp. Ursprünglich wollte ich nach Israel, was wegen Corona nicht möglich war. Grandchamp war mehr ein Zufall. Sr. Ethel Maria schlug es mir vor und da ich selbst keine andere Idee hatte, ließ ich mich auf dieses Abenteuer ein.

Die Communité de Grandchamp ist eine ökumenische Kommunität, in der Schwestern leben. Man könnte sie als das „weibliche Taizé“ bezeichnen. Die Schwestern in Grandchamp gab es aber schon vor den Brüdern in Taizé, welche sich vom ökumenischen Zusammenleben der Frauen inspirieren ließen. Es gab unter den jeweiligen Gründern Mère Geneviève und Frère Roger einen regen Austausch, der in beiden Kommunitäten bis heute beibehalten wird. So kann man bei den Sommer-Jugendtreffen in Taizé auch Schwestern aus Grandchamp begegnen.

Die Schwestern in Grandchamp übernahmen damals die Regel sowie die Gebetsordnung und Liturgie von Taizé (inzwischen hat Taizé eine andere Liturgie), die bis heute in Grandchamp gefeiert wird. Die Liturgie wird auf Französisch gefeiert; Grandchamp liegt im französischsprachigen Teil der Schweiz.

Als Volontärin in Grandchamp hatte ich eine Kontaktschwester, ein Vis-à-vis, mit der ich mit ein- bis zweimal in der Woche getroffen habe, um Fragen zu klären und zu hören, wie das Leben in Grandchamp so funktioniert und welche Beziehungen es zu anderen Kommunitäten gibt. Zudem haben wir uns über Ökumene, den Synodalen Weg, Kirche im Allgemeinen und vieles weitere ausgetauscht.

Anfangs habe ich ein wenig gebraucht, bis mir die Gebetszeiten gefallen haben. Dennoch war für mich klar, dass ich mir alle Gebetszeiten einmal anschaue. Zudem war für mich das Mittags- und Abendgebet gesetzt, da es danach Essen gab. Bei allen Gebetszeiten bin ich aber nicht dabei gewesen.

Nicht nur, weil ich wenig verstanden habe, sondern auch, weil es immer wieder viele stille Zeiten gab und die immer wieder gleichen Melodien gesungen wurden. Mit der Zeit habe ich mich in die Melodien reingehört, konnte gut mitsingen und habe die Gebete als meditativ empfunden, auch weil viel Stille darin integriert ist. Es war ein Kennenlernen und Mitfeiern einer anderen Liturgie, insbesondere auch bei der Eucharistiefeier, da mehrere Kirchen bzw. Konfessionen unter einen Hut bekommen werden müssen. Es war spannend, welche Regelung für die ökumenische Feier gefunden wurden, sodass auch alle zur Kommunion gehen können. Dabei war für mich der Aspekt prägend, dass Ökumene so gelebt werden kann, dass jede Konfession auf möglichst wenig verzichten muss.

 

Ein weiterer Punkt, an den ich mich gewöhnen musste, war das Essen im Schweigen. Es hat definitiv auch Vorteile im Schweigen zu essen. Dennoch fand ich es am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig, da Mahlzeiten durchaus eine Gelegenheit sein können, um ins Gespräch zu kommen. Manchmal wurde etwas vorgelesen oder Musik abgespielt. Mit der Zeit war aber auch das Essen im Schweigen normal.

Mein Arbeitsalltag fand hauptsächlich in der Küche statt und begann morgens mit dem colloque. Hier trafen sich alle Volontäre und besprechen die Tagesaufgaben und was heute und in dieser Woche wichtig ist. Dieses Treffen ist von einem Gebet umrahmt, bei dem wir auch aus der Regel der Kommunität lesen.

Meine tägliche Aufgabe war es die Pause vorzubereiten, was eine Gelegenheit zur Stärkung zwischen 9.30 Uhr und 11 Uhr ist. Es gab dort Tee, Kaffee, heißes Wasser, Brot, Marmelade, Butter, Zwieback und Äpfel. Der zweite Teil der Küchenaufgabe waren Zuarbeiten für das Mittagessen, das heißt, ich habe Salatsoße abgefüllt, Kaffee gekocht und Milch für den Kaffee abgefüllt.

Dienstag bis Samstag vormittags in der Küche gearbeitet und an zwei Tagen, meist Dienstag und Donnerstag zusätzlich nachmittags. Nachmittags habe ich dann einmal mit einer Schwester den Keller aufgeräumt oder in der Bibliothek Staub gewischt und war mehrere Male im Garten tätig. Montags wurde nur nachmittags gearbeitet, das waren bei mir Reinigungstätigkeiten.

Zudem gehört das Geschirrspülen nach den Mahlzeiten auch zu den täglichen Aufgaben.

Sonntags ist in der Regel ein freier Tag. Da musste ich gar nicht arbeiten; auch nicht Geschirr spülen An diesem Tag bin ich öfter nach Neuchâtel geradelt.

Weitere Besonderheiten im Wochenablauf sind der Wüstenvormittag am Montag, weshalb an diesem Tag nur nachmittags gearbeitet wird. Freitag ist immer Volontärsmittagsessen, bei dem alle Volontäre und die zuständigen Schwestern zusammen essen und reden.

Samstagnachmittag Bestand die Möglichkeit zur partage de volontaires, einer Austausrunde zwischen den Volontären und den Volontärs-Schwestern zu Glaubensthemen. Wir haben uns mit der Schöpfungsgeschichte und dem Liturgiekreis von Grandchamp beschäftigt.

 

Besondere Momente in meiner Zeit in Grandchamp waren zum Einen ganz kleine Aufmerksamkeiten, wie ein morgendliches „Bonjour Magdalena!“ oder auch viele gute Gespräche und Begegnungen.

Ein besonderer Ausflug war die Fahrt zum kantonalen Taizégebet ins Val-de-Ruz, das zum ersten Mal seit Corona wieder stattgefunden hat.

Einen Tag bin ich losgezogen zur Gorge de l’Areuse (Klamm der Areuse). Der Weg bis dorthin war weit, aber es hat sich absolut gelohnt! Die Natur und die Landschaft sind großartig! Es ist definitiv eine Empfehlung für alle, die gern wandern gehen.

Aber auch die vielen Spaziergänge zur Areuse, direkt am Grundstücksende und weiter bis zum Neuenburger See waren jedes Mal einzigartig und schön. Vom Neuenburger See kann man die Alpen, mit dem Mönch, der Jungfrau und der Eigernordwand sehen und das klare Wasser des Sees oder die Mündung der Areuse bestaunen.

Eine wichtige Erfahrung, war auch Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. So bin ich beispielsweise mit meinen Fremdsprachen, insbesondere mit Englisch innerhalb der Kommunität gut zurechtgekommen. Außerhalb der Kommunität war es ohne Französischkenntnisse recht schwierig, hat aber auch funktioniert.

 

Der Anfang in der Schweiz war nicht leicht, da ich doch unvorbereiteter als gedacht in ein nicht EU-Land gefahren bin. Ich konnte von dort aus nicht von meinem Handy telefonieren oder mobile Daten nutzen, da das sehr teuer ist (die Schweiz ist kein EWR-Staat). Im Kloster war ich über LAN und ein Telefon, auf dem ich mich anrufen lassen konnte, mit der Außenwelt verbunden. Für drei Wochen war ich nur über E-Mail, SMS oder das besagte Telefon erreichbar (Videotelefonie ging auch). Ich hätte mein Handy selbst mit WLAN eher wenig genutzt, aber gar nicht erst die Möglichkeit zu haben, ist vom Gefühl her anders. Aber es hat mir gut gefallen, nicht auf mein Handy angewiesen sein zu müssen.

 

Insgesamt war es eine total spannende, bereichernde und intensive Zeit! Ich würde in jedem Fall nochmal Grandchamp wählen und habe vor, nochmal selbstorganisiert dorthin zu fahren.

Das ökumenische Zusammenleben der Schwestern hat mich sehr beeindruckt. Der gemeinschaftliche Geist, trotz aller Unterschiedlichkeiten und Konflikte beisammenzustehen ist unglaublich und inspirierend.

Der Bericht gibt leider nur einen kleinen Eindruck meiner Zeit in Grandchamp wieder. Ich könnte so viel mehr erzählen. Aber jede Erfahrung ist auch sehr individuell. Es ist wichtig sich auf das Leben dort einzulassen und die Zeit in Grandchamp zu genießen.

Merci beaucoup pour le temps!